Was soll das Ganze?

Eine durchaus berechtigte Frage – und wie so oft gibt es nicht nur eine Antwort. Angefangen hatte alles mit dem berühmten Bierchen in einer Kneipe – einer Eckkneipe, wie könnte es anders sein. Es war eine schöne Eckkneipe, gemütlich und mit gemischten Publikum. Das Bier war billig, die Musik dafür nicht und die Bedienung ausgesprochen freundlich. Im Gespräch um Gott und die Welt kam dann die Frage auf, wo denn die nächste derartige Kneipe zu finden ist – und eh wir uns versahen, waren wir auf dem Weg zur nächsten und ein neues Projekt war geboren: Das Eckkneipen-Projekt. Denn schnell merkten wir, dass es je nach Kiez gar nicht so einfach ist, eine schöne Eckkneipe zu finden, denn viele sind nun zu Szenekneipen umgebaut worden, zu Spätis oder zu normalen Geschäften, und heute lediglich an den Überresten der Leuchtreklame noch als ehemalige Eckkneipe zu erkennen. Und wenn man bei Google-Streetview die Kieze Berlins erkundet und sich auf den Weg zu dort gefundenen Kneipen macht, so stellt man fest, dass die Vielversprechendsten oftmals nicht mehr zu finden sind. Keine Frage also, die Eckkneipe stirbt aus. Und die Zahlen sprechen hier für sich: „Noch vor 150 Jahren war Berlin die Stadt mit der höchsten Kneipendichte Europas, hat Füsers ermittelt. Und dann um die Jahrhundertwende erst. Die Fabriken stanken, die Mietskasernen quollen über, die Theke war der allerbeste Platz. Auf 150 Einwohner kam eine Wirtschaft. 30 000 lizensierte Lokalitäten gab es 1930 in der Stadt, 2002 waren es nur noch 15 000, weiß Füsers. Und in sein Raster, hundertjährig, Geschichten-prall, original eingerichtet und atmosphärisch zu sein, passen heute in der Innenstadt nur noch zwei Dutzend Kneipen.“ (gefunden hier)

Eines der Ziele also ist es, diese alte Kneipenkultur kennen zu lernen, zu dokumentieren und zu bewahren. Dass wir auf diesen Weg auch noch die verschiedenen Kieze Berlins entdecken können, nette Leute kennen lernen und Zeit für lustige Abende und Gespräche finden, ist dabei ein schöner Zusatzeffekt – und ein weiterer Grund für das Ganze.

Doch im Mittelpunkt steht immer die Eckkneipe und das große Ziel, in möglichst vielen Eckkneipen Berlins gewesen zu sein und über diesen Blog von ihnen zu berichten.

Und eine kurze Recherche zeigt, dass wir hier nicht alleine sind. So weisen wir an dieser Stelle gerne auf das „Eckkneipen-Buch“ hin, das mit verschiedenen Fotos Eckkneipen Berlins zeigt – und auch ein Interview mit den Autoren gibt es und zwar hier. Ein anderes schönes Projekt vom Euratik-Institut ist die Sammlung von Schultheiss-Kneipen in Berlin.

Und ab und an gibt es auch in der Presse Artikel zu den Eckkneipen Berlins – die wir gerne in unserer Presseschau hier sammeln (Anregungen und Hinweise immer gerne als Kommentar oder per Email):

  • 17.6.2011: Taz: Bürgerliche Langweile
    Eckkneipen prägten einst den Schillerkiez in Berlin-Neukölln. Doch mit dessen Aufwertung weicht langsam auch der alte Geist.
  • 28.5.2011: asbach UraltDie Galerie im Saalbau Neukölln zeigt Peter Liptow’s Fotografien von Berliner Eckkneipen.
  • 4.2.2010: Juhu, die Eckkneipe stirbt aus
    DENKMALSCHUTZ Anstelle der einstmals bis zu 20.000 Eckkneipen gibt es heutzutage weniger als die Hälfte, und viele der verbliebenen werden alsbald schließen. Das ist kein Grund zur Trauer, wie einige Nostalgiker meinen
  • 16.11.2008: Berliner Kneipen-Sterben
    In Berlin stirbt eine Instanz mit Tradition – die Eckkneipe. Statt Bier und Korn wird lieber Latte macchiato geschlürft, Alteingesessene flüchten sich in Resignation und Wut: „Yuppies und Schwaben raus!“
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Kommentare
  1. Uwe sagt:

    Als Baujahr 62 aus Neukölln hatten wir an jeder (übertrieben) Kreuzung mind. 2 Kneipen. In der Rosegger- Ecke Weserstrasse und unten an der Sonnenallee. In einer ist ein Chinamann und ob es das Tönnchen noch gibt? Sonnenallee Ecke Geygerstrasse ist in der beliebten Kneipe seit Jahrzehnten das Beste türkische Restaurant. Sonnenallee Ecke Treptower ist ebenfalls seit Jahrzehnten ein China-Restaurant, gegenüber genauso lange ein Gemüsegeschäft. In der Kneipe Innstrasse/ Weigandufer war sogar Hildegard Knef zu Gast , jetzt ein Jugo Restaurant Gibt es noch die Kneipe Treptower Ecke Weserstrasse? Das war mein Kiez. Alle in 10 Gehminuten zu erreichen. Hier habe ich gekickert, geflippert und Billiard gespielt. Für Alkohol war ich noch zu jung, später bin ich nicht mehr hin ein.

  2. Tarek sagt:

    Besucht uns doch auch mal im Bierhaus Urban. Wir sind 24/7 für Euch da und zwar seit über 30 Jahren !
    http://www.Bierhausurban.de

    • eckenkneipier sagt:

      Wir waren tatsächlich sogar schon bei euch, haben es leider nur noch nicht geschafft einen Eintrag zu schreiben.. Aber top Kneipe!

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